Zecken beim Hund

alicja
22 Juli 2026
5 Min. Lesezeit

Vor ein paar Tagen warst du mit deinem treuen Vierbeiner auf einem schönen Spaziergang. Beim Streicheln spürst du plötzlich eine kleine Beule. Ist das eine Zecke? Und was solltest du jetzt tun? In diesem Ratgeber erfährst du, wie du eine Zecke erkennst, sicher entfernst und vorbeugst, welche Krankheiten sie übertragen kann und wann du zum Tierarzt gehen solltest.

Kurze Antwort: findest du eine Zecke bei deinem Hund, entferne sie so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder einem Zeckenhaken. Fasse die Zecke direkt an der Haut, ziehe sie ruhig und gerade heraus (oder drehe sie mit einem Zeckenhaken vorsichtig) und quetsche den Körper nicht. Desinfiziere danach die Stelle und beobachte sie in den folgenden Wochen. Je schneller die Zecke entfernt ist, desto geringer ist das Risiko einer Krankheit.

Was ist eine Zecke?

Eine Zecke ist kein Insekt, sondern ein Spinnentier, genau wie Milben und Spinnen. Eine ausgewachsene Zecke hat acht Beine und ernährt sich vom Blut von Säugetieren, Vögeln und Reptilien, also auch von deinem Hund. Ursprünglich ist eine Zecke sehr klein (1 bis 3 mm), sie kann sich aber deutlich vollsaugen und dabei bis auf etwa 1 cm anschwellen.

Die häufigsten Zecken in Deutschland sind der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und die Igelzecke (Ixodes hexagonus).

Wie sieht eine Zecke beim Hund aus?

Wie eine Zecke aussieht, hängt vor allem davon ab, wie viel Blut sie schon aufgenommen hat:

  • Noch nicht vollgesogen: klein, flach und dunkel, oft nicht mehr als ein schwarzer oder brauner Punkt.
  • Vollgesogen: aufgequollen bis etwa auf Erbsengröße, in einem gräulichen, bräunlichen oder helleren Ton. So eine vollgesogene Zecke ähnelt einer kleinen Kugel oder Warze mit Beinen.

Das erklärt, warum manche nach einer „weißen Zecke“, „grauen Zecke“ oder „schwarzen Zecke“ suchen: es handelt sich jedes Mal um dieselbe Zecke in einem anderen Stadium oder mit anderem Füllstand. Die Farbe sagt also wenig aus, die Form und die Beine verraten, dass es eine Zecke ist.

Wie schnell du eine Zecke bemerkst, hängt auch vom Felltyp deines Hundes ab. Ein kurzes, helles Fell lässt sich leichter kontrollieren als ein langes, dunkles Fell. Verlasse dich daher nicht nur auf deine Augen, sondern taste auch: streiche mit den Händen durch das Fell und achte auf kleine Beulen.

Gut zu wissen: eine Zecke kann weder springen noch fliegen. Das ist ein hartnäckiger Irrglaube. Zecken warten oben auf einem Grashalm oder Blatt, bis ein Wirt vorbeikommt, und klammern sich dann an ihn.

Ist es eine Zecke oder etwas anderes?

Du bist dir nicht sicher, ob die kleine Beule wirklich eine Zecke ist? Eine Zecke verankert sich mit ihren Mundwerkzeugen in der Haut, hat Beine und steht ein wenig aus dem Fell hervor. Eine Warze, eine verstopfte Talgdrüse oder eine andere Hautbeule ist meist hautfarben, mit der Haut verwachsen und hat keine Beine. Kannst du nicht sicher sagen, worum es sich handelt, lass es untersuchen, bevor du daran ziehst. Mehr dazu liest du in unserem Artikel: hat mein Hund eine Warze oder einen Tumor?

Wie gelangt eine Zecke auf deinen Hund?

Zecken sitzen oben auf feuchten, hohen Gräsern oder an Pflanzen und warten, bis ein Wirt vorbeikommt. Sobald dein Hund vorbeiläuft, klammern sie sich fest und wandern durch das Fell auf der Suche nach einer warmen, geschützten Stelle, um zuzustechen.

Sei also aufmerksam, wenn dein Hund durch hohes Gras gelaufen ist oder bei einem Waldspaziergang den Weg verlassen hat. Weit gehen muss dein Hund dafür aber nicht: auch im eigenen Garten kann er sich eine Zecke einfangen. Zecken kommen in Wäldern, hohen Gräsern, Dünen, Heidegebieten, Parks und Gärten vor.

Kontrolliere deinen Hund deshalb nach jedem Spaziergang im Grünen. Zecken sind vom Frühjahr bis zum Herbst am aktivsten, mit Spitzen im Frühjahr und Herbst. Durch die milderen Winter bleiben sie inzwischen auch in den kalten Monaten aktiv, sei also das ganze Jahr über wachsam.

Wo sitzen Zecken beim Hund am häufigsten?

Zecken suchen Stellen, an denen die Haut warm, feucht und dünn behaart ist. Die bevorzugten Stellen sind:

  • der Kopf (Kinn, Kiefer oder direkt über den Augen)
  • hinter den Ohren
  • der Nacken
  • Achseln und Kniekehlen
  • die Leistengegend
  • der Bauch und die Zwischenzehenbereiche

Sie können sich aber überall befinden, kontrolliere daher immer den ganzen Körper.

Wie entfernst du eine Zecke bei deinem Hund?

Du hast eine Zecke gefunden? Zögere nicht und entferne sie so schnell wie möglich. So gehst du richtig vor:

  1. Benutze eine Zeckenzange oder einen Zeckenhaken. Damit fasst du die Zecke direkt an der Haut, ohne den Körper zu quetschen.
  2. Fasse die Zecke so nah wie möglich an der Haut, an den Mundwerkzeugen, nicht am vollgesogenen Körper.
  3. Entferne sie ruhig. Mit einer Zeckenzange ziehst du gerade nach oben. Mit einem Zeckenhaken schiebst du unter die Zecke und drehst vorsichtig (die Drehrichtung spielt keine Rolle), bis sich die Zecke löst. Ziehe nicht ruckartig und quetsche den Körper nicht.
  4. Prüfe, ob die Zecke vollständig entfernt ist.
  5. Desinfiziere die Einstichstelle, nachdem die Zecke entfernt ist.
  6. Wasche deine Hände und desinfiziere deine Zange oder deinen Haken für die nächste Verwendung.
  7. Notiere das Datum und beobachte die Stelle einige Wochen lang.

Gut zu wissen: verwende niemals Alkohol, Öl, Seife oder eine Flamme, um eine Zecke vor dem Entfernen zu betäuben. Eine gestresste Zecke gibt mehr Speichel ab, und das erhöht das Risiko einer Übertragung. Ein ruhiges, mechanisches Entfernen ist sicherer. Alkohol verwendest du erst nach dem Entfernen, um die Stelle zu desinfizieren.

Keine Zeckenzange zur Hand?

Eine Zeckenzange oder einen Zeckenhaken bekommst du günstig in der Apotheke oder beim Tierarzt, und für Hunde, die oft in Wald und Feld unterwegs sind, ist das ein kleines Must-have. Du hast wirklich keine? Dann kann eine feine Pinzette aushelfen, wenn du die Zecke ganz nah an der Haut fasst und den Körper nicht quetschst. Eine normale Pinzette eignet sich weniger gut, weil du damit leichter in die Zecke drückst. Eine Zeckenzange oder ein Zeckenhaken bleibt daher immer die bessere Wahl.

Die Zecke sitzt fest oder der Kopf bleibt stecken

Das Entfernen klappt nicht, oder der Kopf der Zecke bleibt in der Haut stecken? Dann bohre nicht weiter herum. Oft stößt die Haut einen kleinen Rest innerhalb einiger Tage von selbst ab. Bleibt ein deutlicher Rest zurück, sitzt die Zecke tief oder unter der Haut, oder entzündet sich die Stelle? Dann geh zum Tierarzt. Unsicher? Unsere Tierärzte beraten dich kostenlos.

Darf man eine Zecke beim Hund sitzen lassen?

Nein. Je länger eine Zecke festsitzt und Blut saugt, desto größer ist das Risiko, dass sie mögliche Krankheitserreger überträgt. Entferne eine Zecke also immer so schnell wie möglich, auch eine, die bereits vertrocknet oder tot wirkt.

Eine Beule oder kleine Wunde nach dem Zeckenstich

Nach dem Entfernen bleibt manchmal eine kleine Beule oder Wunde zurück. Das ist meist eine normale, örtliche Reaktion, die innerhalb einiger Tage abklingt. Bleibt die Stelle länger als eine Woche rot, geschwollen, oder beginnt sie zu eitern? Lass sie untersuchen. Mehr dazu liest du in unserem Artikel: Ursachen von Beulen bei Hunden.

Sind Zecken für Hunde gefährlich?

Eine Zecke an sich ist meist nicht gefährlich. Eine Zecke, die du schnell und richtig entfernst, geht in der Regel ohne Folgen aus. Die Gefahr liegt in den Krankheitserregern, die manche Zecken übertragen können. Nicht jede Zecke trägt einen solchen Erreger in sich, aber sicher sein kannst du dir vorher nie.

Die bekanntesten durch Zecken übertragenen Krankheiten beim Hund sind:

Krankheit Erreger Worauf achten
Borreliose (Lyme) Borrelia-Bakterium Fieber, Abgeschlagenheit, Lahmheit (kann das Bein wechseln) und Gelenkbeschwerden
Babesiose (Hundemalaria) Babesia-Parasit Blutarmut, Fieber, Schwäche, dunkler oder bräunlicher Urin
Ehrlichiose Ehrlichia-Bakterium Fieber, Abgeschlagenheit, Blutungen oder Ausfluss an Augen und Nase, weniger Appetit
Anaplasmose Anaplasma-Bakterium Fieber, Lahmheit, Lethargie, verminderter Appetit

Die allgemeinen Warnsignale nach einem Zeckenstich sind Fieber, plötzlich weniger Appetit, Lethargie, Lahmheit oder Steifheit und Verhaltensänderungen. Die ersten Symptome zeigen sich meist erst 2 bis 4 Wochen nach dem Stich, beobachte deinen Hund also auch Wochen später gut. Bemerkst du etwas? Geh zum Tierarzt und erwähne, dass dein Hund von einer Zecke gestochen wurde.

Trägt jede Zecke eine Krankheit in sich?

Nein. Der Anteil infizierter Zecken schwankt je nach Region, Jahreszeit und Jahr stark. Nur ein Teil der Zecken trägt überhaupt Krankheitserreger wie Borrelien in sich. Weil du der einzelnen Zecke ihr Risiko aber nicht ansiehst, gilt: jede Zecke zählt, entferne sie schnell und bleib aufmerksam.

Wie schnell ist eine Zecke ansteckend?

Das Übertragungsrisiko ist am geringsten, wenn die Zecke weniger als 24 Stunden festsitzt. Sitzt sie länger, steigt das Risiko einer Infektion. Ein Grund mehr, die Zecke schnell zu entfernen und in den Wochen danach wachsam zu bleiben.

Die Rolle der Abwehrkräfte deines Hundes

Auch die Abwehrkräfte deines Hundes spielen eine Rolle dabei, ob er nach dem Stich einer infizierten Zecke krank wird oder nicht. Das ist teils genetisch bedingt, hängt aber auch von der Ernährung ab, die du wählst. Jeder Hund hat eigene Nährstoffbedürfnisse. Mit individuellem Hundefutter stimmst du Proteine, Vitamine und Fettsäuren genau auf Rasse, Alter, Gewicht und Gesundheit ab, was zu einem starken Immunsystem und einer gesunden Haut und einem gesunden Fell beiträgt. Ein gesundes Fell hilft dir zudem, Zecken schneller zu entdecken. Neugierig auf den passenden Plan für deinen Hund? Mach den Test in wenigen Minuten.

Wie schützt du deinen Hund vor Zecken?

Zecken lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber du kannst das Risiko und die Folgen stark verringern.

Kontrolliere täglich. Die wichtigste und kostenlose Maßnahme: taste deinen Hund jeden Tag ab, und besonders nach jedem Spaziergang in der Natur. Je schneller du eine Zecke findest, desto geringer das Risiko.

Wähle einen vorbeugenden Schutz. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Zeckenhalsband: hält Zecken und Flöhe ab, praktisch für Hunde, die oft in bewaldeten Gebieten unterwegs sind.
  • Spot-on oder Pipette: Flüssigkeit, die du zwischen die Haare im Nacken aufträgst, meist 3 bis 4 Wochen wirksam. Behandelte Zecken sterben in der Regel innerhalb von 48 Stunden und fallen ab.
  • Zeckenspray: trägst du gegen den Strich auf, bietet meist bis zu etwa einen Monat Schutz.
  • Kautablette: schützt deinen Hund von innen, oft einige Wochen bis Monate, je nach Präparat.

Welcher Schutz am besten passt, hängt von Alter, Gewicht, Gesundheit und Lebensweise deines Hundes ab. Lass dich von deinem Tierarzt beraten, besonders bei Welpen, trächtigen Hündinnen oder Hunden mit empfindlicher Haut.

Sei kritisch bei „natürlichen“ Mitteln. Für Mittel wie EM-Keramik-Halsbänder gibt es wenig wissenschaftliche Belege für eine echte Wirkung gegen Zecken. Sieh sie höchstens als Ergänzung, niemals als Ersatz für einen bewährten Schutz und die tägliche Kontrolle.

Denk an die Impfung gegen Borreliose. Es gibt eine Impfung, die deinen Hund gegen die Lyme-Borreliose schützt. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen, gefolgt von einer jährlichen Auffrischung, am besten vor der Zeckensaison. Achtung: die Impfung schützt gegen Borreliose, ein guter Zeckenschutz bleibt aber nötig.

Kombiniere mit dem Schutz vor anderen Parasiten. Zecken und Flöhe treten oft gemeinsam auf, und manche Würmer werden sogar über Zecken oder Flöhe übertragen. Eine Zecke sorgt außerdem für Juckreiz und Hautreizungen; mehr dazu liest du in unserem Blog über Hautprobleme und Juckreiz beim Hund.

Tierärztin bei Just Russel mit Kopfhörern, die an einem Online-Meeting teilnimmt und einem Kunden über eine Videokonferenzberatung hilft.

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